Übernachtungsraum im Lokschuppen Asendorf

Beiträge zur Musealen Gestaltung
Christian
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Übernachtungsraum im Lokschuppen Asendorf

Beitrag von Christian » Mi 1. Nov 2017, 18:51

Geschichte des Lokschuppens

Die Kleinbahn Hoya - Syke - Asendorf wurde 1899 gebaut. An allen Endpunkten der Bahn entstanden Lokomotivschuppen, damit von dort morgens gleichzeitig mit dem Betrieb begonnen werden konnte. Während in Hoya ein zweigleisiger Lokschuppen mit Werkstatt zur Unterhaltung aller Lokomotiven gebaut wurde, genügte in Syke und Asendorf ein einfacher Schuppen zur Unterbringung einer einzelnen Lokomotive sowie zur Übernachtung des Zugpersonals. Die Lokschuppen in Syke und Asendorf wurden nach den gleichen Plänen gebaut. An den Lokschuppen angebaut zur Ladestraßenseite befand sich ein kleines Aborthäuschen, das mit einem Plumpsklo ausgestattet war.
Der Asendorfer Lokschuppen wurde bis Ende der fünfziger Jahre unverändert genutzt. Auch nach der Einführung des Triebwagenverkehrs nach Asendorf im Jahre 1951 war hier noch bis 1959 eine Dampflok stationiert, um den sehr bedeutenden Güterverkehr von Asendorf abzuwickeln, sowie die Personenzüge mit Wagen zweiter und dritter Klasse zu fahren. Nach der Einstellung des Personenverkehrs 1959 entfiel diese Notwendigkeit und der Güterverkehr wurde ab Hoya bedient. Der damit leerstehende Lokschuppen in Asendorf wurde dann als Abstellhalle für die Omnibusse genutzt, die dann den Personenverkehr nach Asendorf übernahmen. Dazu wurde die Trennwand zwischen dem Aufenthaltsraum (ehemals "Führerstube") und dem Lokschuppen abgerissen und der Lokschuppen in Richtung Bahnhofsgebäude um einen halben Meter verlängert.

Bild

Nach der Einstellung des Güterverkehrs nach Asendorf im Jahre 1971 wurde die Strecke nach Asendorf und damit auch der Lokschuppen in Asendorf von den Gemeinden Bruchhausen-Vilsen und Asendorf erworben und seitdem an die Museumseisenbahn Bruchhausen-Vilsen - Asendorf verpachtet.
Um den Lokschuppen wieder als Lokschuppen aber auch für museale Zwecke nutzen zu können wurden vom Deutschen Eisenbahn-Verein e.V. bereits Teile des Gebäudes restauriert. Als erstes wurde die durch die abgestellten Omnibusse stark beschädigte Grube erneuert, das Dach wurde erneuert, die morsche Holzverkleidung wurde entfernt, der Lokbereich wurde neu verputzt, die nachträgliche Lokschuppenverlängerung wurde wieder rückgängig gemacht, die Tore wurden restauriert und die genieteten Metallrahmenfenster wurden instandgesetzt. Als zusätzliche Ausrüstung wurde der Wasserkran des Hoyaer Lokschuppens der HEG am Gebäude angebaut.
Viele Grüße,
Christian

Christian
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Re: Übernachtungsraum im Lokschuppen Asendorf

Beitrag von Christian » Mi 1. Nov 2017, 18:52

Der Lokschuppen Asendorf als Museumsexponat

Der Lokschuppen im Bahnhof Asendorf stellt heute eines der wichtigsten Objekte im Kleinbahnmuseum Bruchhausen-Vilsen dar. Er ist das einzige erhaltene Gebäude, in dem Lokomotiven behandelt, gewartet und angeheizt wurden. In einzigartiger Art stellt der Lokschuppen die Verbindung von Mensch und Maschine, von Personal und Kleinbahn dar. Das Personal übernachtet auf engstem Raum direkt neben der abgestellten Dampflok, damit der Heizer auch in der Nacht noch nach dem Feuer sehen kann. Daher hatte der Heizer seinen Schlafplatz direkt an der Tür zum Lokschuppen, damit der Lokführer und der Schaffner nicht mehr als nötig gestört wurden.
Der Übernachtungsraum war nötig, da viele Personale aus Hoya und Umgebung stammten, und abends nur wenige mit dem Fahrrad nach Hause fahren konnten, um morgens in der Frühe den gleichen Weg wieder zurück zum Dienst zu fahren. Die Dienste waren so eingerichtet, daß die Personale in Hoya begannen, abends in Asendorf übernachteten, dann am nächsten Tag ihren Dienst in Syke beendeten und dort übernachteten, um dann am dritten Tag abends wieder in Hoya zu sein. Diese Umläufe dienten hauptsächlich dazu, alle eingesetzten Lokomotiven regelmäßig in Hoya in der Werkstatt warten zu können.
Um das Leben mit der Kleinbahn dem Besucher nicht nur anhand von Schautafeln und Erklärungen sondern möglichst anschaulich nahezubringen soll der Übernachtungsraum im Lokschuppen wieder hergerichtet werden und mit originalgetreuer Einrichtung versehen werden. Nach dem Güterschuppen in Bruchhausen-Vilsen wird damit der zweite originalgetreu restaurierte Innenraum eines Gebäudes dem Publikum zugänglich gemacht.

Maßnahmen zur Restaurierung

Zur Restaurierung des Übernachtungsraumes im Lokschuppen in Asendorf sind verschiedene Arbeiten nötig. Zu unterscheiden sind die reinen Restaurierungsarbeiten im Innern des Gebäudes sowie in die Bauerhaltungsmaßnahmen am Gebäude selbst. Die Bauerhaltungsmaßnahmen sind nötig um die Substanz des Lokschuppens zu erhalten sowie um die durch die Restaurierung geschaffenen Werte im Innern dauerhaft zu sichern.

Als Bauerhaltungsmaßnahmen sind nötig im einzelnen:
  • Ableitung oder Versickerung des Regenwassers aus den Regenfallrohren
  • Trockenlegen des Fundamentes mit Aufbringen eines Schutzanstriches
  • Verfugen der ausgewaschenen Stellen im Mauerwerk

Als Restaurierungsarbeiten sind im einzelnen nötig:
  • Einbau der Holzunterkonstruktion für die Zimmerdecke (erledigt)
  • Ausbau der Außentür (erledigt)
  • Zumauern der Türöffnung mit passenden Ziegeln (erledigt)
  • Erneuerung der Holzeinfassung für Fenster
  • Verputzen der Wände und der Decke (erledigt)
  • Konservieren der alten Fußbodendielen
  • Montage der elektrischen Anlage nach alten Vorlagen
  • Ausbessern und Aufmauern des Schornstein
  • Anbringen der Holzverschalung um den Übernachtungsraum außen
Für die Austattung des Übernachtungsraumes sind die meisten Objekte bereits in den letzten Jahren gesammelt worden. So sind z.B. der originale Ofen, Stahlrohrbetten und zugehörige Leinenbettwäsche wie auch die elektrische Ausstattung bereits in der Sammlung des Kleinbahnmuseum Bruchhausen-Vilsen.

Als Option ist der spätere Einbau der zweiten Trennwand zwischen Lokschuppen und "Führerstube" möglich, um damit auch den zweiten Raum zu restaurieren.

Bild

Diese Zeichnung wurde nach den Beschreibungen der ehemaligen HSA-Personale Henry Humke und Simon Köhler angefertigt:

Bild

Vielleicht finden sich noch Mitstreiter, die das Projekt weiterführen, dies soll als Gedankenstütze des bisher erforschten dienen.
Viele Grüße,
Christian

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holzwurm
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Re: Übernachtungsraum im Lokschuppen Asendorf

Beitrag von holzwurm » Mi 1. Nov 2017, 18:53

Hallo Christian

Gibt es noch Bilddokumente von der Inneneinrichtung, könntest du die hier veröffendlichen ?

Gruß Bernd

Christian
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Re: Übernachtungsraum im Lokschuppen Asendorf

Beitrag von Christian » Mi 1. Nov 2017, 18:53

Hallo Bernd, der Übernachtungsraum ist ja bereits mit der Abstellung der Busse überflüssig geworden und zumindest die Betten sind damals entfernt worden. Aus dieser Zeit gibt es leider keine Fotos mehr. Den letzten Zustand mit dem noch vorhandenen Ofen und dem alten Fabanstrich habe ich noch fotografiert. Sobald ich die Dias eingescannt habe werde ich sie nachreichen.
Viele Grüße,
Christian

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